Vision und Plan hinter dem Green Paper
Harald Maier wollte nicht nur eine fehlende Zuständigkeit benennen. Das Green Paper beschreibt, wie aus getrennten Interessen eine gemeinsame Mountainbike-Strategie werden kann.
Die Grundidee: Kein Ressort soll lediglich Probleme oder Kosten eines anderen übernehmen. Sport schafft legale Bewegungsräume. Gesundheit unterstützt regelmäßige Bewegung und Prävention. Tourismus und Wirtschaft stärken regionale Wertschöpfung. Mobilität und Raumplanung verbinden Siedlungen, Radwege und geeignete Offroad-Angebote.
Forst und Grundeigentum brauchen klare Rahmenbedingungen, Zuständigkeiten und Vereinbarungen. Der Naturschutz braucht wirksame Lenkung sowie geschützte Ruhe- und Rückzugsräume. Diese Interessen sind nicht gleich – sie müssen in einer gemeinsamen Strategie nachvollziehbar zusammengeführt werden.
Mountainbike ist Breitensport – und damit eine gemeinsame Aufgabe
E-Mountainbikes, veränderte Freizeitgewohnheiten und das Bedürfnis nach Bewegung in der Natur haben Mountainbike in der breiten Bevölkerung ankommen lassen.
Damit betrifft Mountainbike nicht nur den Sport. Es berührt Gesundheit und Prävention, Tourismus und regionale Wirtschaft, Mobilität und Raumplanung, Forstwirtschaft und Grundeigentum sowie Naturschutz und Freizeitlenkung. Diese Aufgaben liegen in der Verwaltung in unterschiedlichen Ressorts. Für die Menschen, die mit dem Rad unterwegs sind, gehören sie jedoch zu ein und demselben Erlebnis- und Lebensraum.
Das Thema auf zentraler Ebene verankern
Der Ausgangspunkt des Green Papers war deshalb die Frage, wie Mountainbike auf Bundesebene positioniert und dauerhaft in der Verwaltung verankert werden kann. Länder, Gemeinden, Grundeigentümer, Forst, Sport, Tourismus, Naturschutz und weitere Beteiligte brauchen einen gemeinsamen Ansprechpartner, der Wissen bündelt, Abstimmung ermöglicht und die Weiterarbeit unterstützt.
Eine österreichische Bike Nation kann innerhalb der bestehenden Gesetzeslage – insbesondere des Forstgesetzes – nur durch Zusammenarbeit entstehen. Dazu braucht es eine österreichweite Mountainbike-Strategie, gemeinsame Ziele und klare Zuständigkeiten.
Raumplanung für die Freizeitwirtschaft
Freizeitnutzung findet nicht erst dort statt, wo ein touristisches Angebot ausgeschildert wurde. Menschen fahren in siedlungsnahen Wäldern, auf Forststraßen, Radwegen und bestehenden Pfaden. Ohne vorausschauende Planung entstehen Nutzung und Konflikte oft ungeordnet.
Das Green Paper versteht Mountainbike deshalb auch als Aufgabe der Raumplanung. Wo braucht die Bevölkerung attraktive und legal nutzbare Angebote? Welche Räume eignen sich für Familien, Tourenfahrer oder sportliche Trailnutzer? Wo soll Nutzung gebündelt werden – und welche Ruhe- und Rückzugsräume müssen geschützt bleiben?
„Trails near home“ und die Schnittstelle zur Mobilität
Für Harald Maier gehört dazu der Ansatz „Trails near home“: Angebote in der Nähe des Wohnortes ermöglichen regelmäßige Bewegung, ohne dass für jede Ausfahrt zuerst das Auto notwendig ist. Dazu gehören nicht nur Trails, sondern auch Radwege, Forststraßen, Verbindungen aus den Siedlungen, einfache Mountainbike-Routen und Übungsflächen.
Besonders wichtig ist die Schnittstelle zwischen Radweg und Offroadweg. Ein Angebot funktioniert erst dann als zusammenhängender Bewegungsraum, wenn Menschen legal und nachvollziehbar von ihrem Wohnort oder dem öffentlichen Verkehr in geeignete Mountainbike-Räume gelangen.
Attraktive Angebote ermöglichen Lenkung
Lenkung funktioniert nicht allein durch Verbote, Schilder oder Appelle. Menschen nutzen legale Angebote dann, wenn diese erreichbar sind und zu ihren Bedürfnissen passen. Familien brauchen etwas anderes als sportliche Tourenfahrer oder technisch versierte Trailnutzer.
Attraktive Angebote, verständliche Orientierung und klar definierte Ruhezonen müssen deshalb gemeinsam geplant werden. So werden Freizeitnutzung und Naturschutz nicht gegeneinander ausgespielt.
Vom Betroffenen zum Beteiligten
Wenn Mountainbike nur als Problem behandelt wird, entstehen vor allem Betroffene: Grundeigentümer tragen Verantwortung, Gemeinden reagieren auf Nutzungskonflikte, der Naturschutz warnt vor Belastungen, Tourismusorganisationen wünschen Angebote und Mountainbiker suchen legale Möglichkeiten.
Das Green Paper verfolgt einen anderen Ansatz. Die Beteiligten sollen nicht erst reagieren, wenn Konflikte sichtbar sind. Sie sollen früh an Zielen, Regeln, Angeboten und Verantwortung mitarbeiten. Eine Koordination schafft dafür einen festen Ansprechpartner und verbindet Perspektiven, die sonst häufig getrennt bleiben.
Wertschöpfung und Werteschöpfung
Mountainbike schafft wirtschaftlichen Nutzen bei Beherbergung, Gastronomie, Handel, Service, Infrastruktur und regionalen Arbeitsplätzen. Diese Wertschöpfung zeigt jedoch nur einen Teil der Bedeutung.
Daneben steht die Werteschöpfung: Bewegung und Gesundheit, erreichbare Naherholung, Lebensqualität, verantwortungsvoller Umgang mit Natur und Eigentum sowie ein besseres Verständnis zwischen unterschiedlichen Interessen. Damit wirkt Mountainbike auch volkswirtschaftlich, im Bereich Public Health und bei der Entwicklung einer alltagstauglichen Freizeitmobilität.
Eine Strategie für Österreich – und für jeden Beteiligten
AMBI hatte die Notwendigkeit einer österreichweiten Mountainbike-Strategie früh aufgegriffen und im Green Paper Ziele, Aufgaben und organisatorische Grundlagen ausgearbeitet. Aus Sicht von Harald Maier reicht der nationale Rahmen allein aber nicht aus.
Auch Länder, Regionen, Tourismusorganisationen und Interessenvertretungen sollten für ihren Verantwortungsbereich klären, welche Rolle sie übernehmen, welche Ziele sie verfolgen und welchen Beitrag sie zu einer positiven Entwicklung leisten können.
Vom Kongress zur Arbeit zwischen Bund und Ländern
Harald Maier begann, Problemstellung, Zuständigkeiten und mögliche Aufgaben einer österreichweiten Koordination auszuarbeiten. Ein exaktes Startdatum lässt sich für diesen laufenden Prozess nicht seriös festlegen.
Der Mountainbike Kongress machte die Frage einer österreichischen „Bike Nation“ im Gespräch mit Werner Kogler öffentlich.
Auf Einladung des für Sport zuständigen Ministeriums und des Kabinetts präsentierte Harald Maier das Konzept in Wien. Vertreten waren die für Mountainbike zuständigen Personen aus acht Bundesländern sowie Mitarbeitende von Ministerien und Kabinett. Wien war nicht vertreten.
Bei Länderkonferenzen und in weiteren Unterlagen ging es um gemeinsame Beschilderung, Vertragsgrundlagen, Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern. Ein Grundsatzpapier der Ländervertreter bezeichnete das AMBI-Green-Paper 2022 ausdrücklich als Diskussionsgrundlage und Basis für Gespräche mit dem Bund.
Ein gemeinsamer Ministerratsvortrag mehrerer Ressorts behandelte die Entwicklung einer österreichweiten Mountainbike-Strategie. Die Bundesregierung nahm den Bericht am 10. April 2024 zur Kenntnis.
Die öffentliche Hand schrieb eine Mountainbike-Koordinationsstelle aus und beauftragte KONNEKT. Die heutige Stelle verantwortet den Prozess zur österreichweiten Mountainbike-Strategie.
Was Harald Maier und AMBI beigetragen haben
Harald Maier entwickelte Problemdefinition, Zielbild und Aufgabenrahmen. Dazu gehörten die Abstimmung zwischen Bund und Ländern, die Einbindung mehrerer Ressorts, gemeinsame Standards sowie Argumente für legale Angebote, Lenkung und klare Zuständigkeiten.
Der Mountainbike Kongress war dabei ein öffentlicher Gesprächsraum. Dort konnten Verantwortliche prüfen, ob die Fragen fachlich, offen und über einzelne Interessen hinweg bearbeitet wurden. Die Arbeit am Green Paper selbst erfolgte eigeninitiativ und ohne formellen Auftrag.
Wo die Verantwortung von AMBI endet
Die heutige Mountainbike-Koordination Österreich ist keine AMBI-Einrichtung. Ausschreibung, Vergabe und staatlicher Strategieprozess liegen bei den beteiligten Ministerien, Bundesländern und bei KONNEKT als beauftragtem Unternehmen.
Nach Darstellung von Harald Maier übersetzten Mitarbeitende der Ministerien das Green Paper in eine politische Vorlage, die in den Ministerratsvortrag einfloss. Der veröffentlichte Ministerratsvortrag nennt Harald Maier oder das Green Paper jedoch nicht. Deshalb wird diese Verbindung als persönliche Einordnung ausgewiesen und nicht als amtlich bestätigter Dokumentfluss dargestellt.